Die Geschichte einer deutsch-englischen Freundschaft

13. März

Wir können den Briten für vieles dankbar sein. Für die Sex-Pistols, C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien, Königskitsch und den mutigen Weg, frische Ausdrucksformen von Kirche zu suchen. Zwei Suchende aus dem Vereinten Königreich sind Bob und Mary Hopkins, die die deutsche fx-Bewegung seit vielen Jahren eng begleiten.

Wach, herzlich und konzentriert blicken ihre Augen in die Kamera. Ihrer Art entspricht es eigentlich mehr, Gäste persönlich zu begrüßen und zu umsorgen, aber nun muss es seit zwei Jahren eben so gehen. Digital. Per Zoom.

Bob und Mary Hopkins sind für die Fresh X-Bewegung sowohl in England als auch in Deutschland Koryphäen. An ihnen kommt niemand vorbei. Ihre profunde Kenntnis über die Gegebenheiten in England und ihr Blick auf die Bestrebungen in Deutschland, ihre messerscharfen Analysen, die wohlklingenden Gebete und die weitherzigen Ratschläge haben schon so mancher Initiative und Landeskirche geholfen.

Bereits seit 1990 besteht ein intensiver Austausch mit Deutschland. Es begann mit einem Vortragsbesuch über church plantig auf dem Gemeinde Kongress in Nürnberg. „Ein junger Pastor aus er Badischen Landeskirche fragte uns, ob er uns zwei Wochen in England besuchen und von uns lernen könne“, erinnert sich Bob. „Sein Bischof stimmte zu, unter der Prämisse, einen ‚normalen Pfarrer‘ mitzunehmen, um von der Reise einen ‚ausgewogenen Bericht‘ zu erhalten.“ Eben dieser Bericht fällt sehr positiv aus und öffnet Bob und Mary in der Folge viele Türen in Deutschland, ermöglicht auch eine langjährige enge Partnerschaft mit der Landeskirche von Baden und Württemberg. Und auch sie öffnen ihre Türen. Beständig kommen jedes Jahr Pfarrer, Vikare und wissbegierige Laien nach Sheffield, um sich von den Hopkins in die Welt der fresh expression of church einführen zu lassen. Die beiden selbst besuchen ebenfalls regelmäßig, teilweise mehrfach im Jahr, deutsche Initiativen und sind gerne Teil der „journey of missional adventure with God“.

Mary und Bob Hopkins bei dem, was sie so gerne tun: Anderen begegnen, zuhören, sich austauschen.

Wissen weitergeben

Auf ihren Reisen, bei ihren Vorträgen und in ihren Aufsätzen geben sie immer wieder Einblicke in die Entwicklungen der fx-Bewegung in England, erzählen von den Stärken und Schwächen der kirchenpolitischen Entscheidungen und geben ihre Learnings weiter. Zum Beispiel diese:

a) Schon früh in Großbritannien wurden viele neue Ausdrucksformen von Laien mit Teams entwickelt und geleitet. Inzwischen werden weit über 50 % von Laien geführt.

b) Es gibt einen Trend, dass sich eine beträchtliche Anzahl neuer britischer Ausdrucksformen in Evangelisation und Jüngerschaft etablieren. Mitglieder der fresh expression of church (fxc) werden zu Multiplikatoren, die zu einer lebensverändernden Begegnung mit Jesus einladen.

c) Wie Deutschland von der britischen Messy Church-Bewegung gelernt hat, die ihre eigene Kirche Kunterbunt-Bewegung initiiert hat, gibt es Möglichkeiten, von Bewegungen wie café church, young adult church und forest church zu lernen. Deutschland kann auch von den Schwächen des britischen Währungsmanagements lernen, wenn wir gemeinsam handeln.

d) Die Bewegung für frische Ausdrücke und ihre Praktiken sind heute in fast allen unseren Diözesen bekannt. Die Mehrheit hat eine oder mehrere Positionen im Diözesanpersonal, die sich speziell der Förderung und Entwicklung frischer Ausdrucksformen widmen. Mittlerweile gibt es mehrere unserer Diözesen, die das Äquivalent der Erprobungsräume-Team (EKM) haben. Sie sind jedoch möglicherweise stärker in die Strukturen der Diözese integriert als die EPR in Deutschland.

e) Seit einigen Jahren haben wir einen nationalen Bischof für Kirchengründung & Fresh Expressions.

f) Unsere Nationalkirche hat

i) mehrere nationale Posten initiiert und finanziert, um neue Ausdrucksformen zu fördern;

ii) sie führen ein Programm namens “Greenhouse” ein, das diözesane Lerngemeinschaften erleichtert und finanziert, um den Beginn und die Unterstützung neuer Ausdrucksformen zu fördern;

iii) Seit 3 Jahren gibt es auch eine nationale interkonfessionelle Lerngemeinschaft mit Teams aus allen Konfessionen, die versuchen, frische Ausdrucksformen in ihren Kirchen zu maximieren.

g) Das neueste Strategiepapier unserer Nationalen Synode (“GS 2238 Vision & Strategy“) konzentriert sich zu 100 % auf die Bereitstellung einer “gemischten Ökologie” der Pfarrei und neuer Ausdrucksformen in der gesamten Kirche von England.

Ein Ausdruck von Dankbarkeit

Genau das ist es, was ihnen Spaß macht, was sie antreibt und ins Gebet treibt: Die Entwicklungen in Deutschland und England, aber auch weltweit. Gottes Reise mit den Menschen, mit der Kirche. Mary organisiert monatliche und zweimonatliche Gebetstreffen, wo sie für alle Anliegen der fx-Bewegung beten. Und sie hören nicht auf zu erzählen: Von ihren Erfahrungen zu berichten, Erlebtes zu teilen, kritische Fragen zu stellen und ihren weitherzigen Blick auf Entwicklungen weiterzugeben. Seit der Pandemie, dem Brexit und den damit verbundenen Einreiseschwierigkeiten werden die beiden von einer kleinen Spendengemeinde nun auch finanziell unterstützt. Sie selbst haben die Unterstützung für ihre Missionshilfe nie beantragt, sie ging von der Initiative „of German friends“ aus, die die Arbeit der beiden für so wertvoll und wichtig erachten, dass sie diese – auch ohne Vortragsbesuche in Deutschland – monatlich unterstützen. „Wir möchten den Menschen, die so großzügig gespendet haben, unsere tiefe Dankbarkeit aussprechen“, sagt Bob Hopkins nach wie vor sichtlich gerührt und erklärt, welchem Zweck die Spenden zugeführt werden. „Sie ermöglichen es uns, einen Teil der Kosten unseres Büros, mit Unterstützung bei der Büroverwaltung und Buchhaltung zu decken.“ Es ist vielleicht auch die deutsche Art, Danke zu sagen. Danke, dass Bob und Mary Hopkins die deutsche fx-Bewegung, die Arbeit im Netzwerk und die vielen kleinen und großen Aufbrüche im Land so treu begleiten. Thank you.

Hella Thorn

Online- und Social-Media-Redakteurin beim Fresh X-Netzwerk