Gremienspiritualität: Mit dem Heiligen Geist durch die Tagesordnung

Freitag

Haushaltsausschüsse, Gemeinderatssitzungen, Synoden, Konvente, Arbeitskreise - Gremien gibt es in Kirche viele. Damit die neben der notwendigen Beschlussfähigkeit auch Spiritualität beinhalten, wurde die Toolbox Gremienspiritualität entwickelt. Wir haben mit Birgit Dierks darüber gesprochen, warum ein Segen am Ende einer Sitzung zu wenig ist und wie man die Toolbox einsetzen kann.

Gremienspiritualität – was konkret verstehst du darunter?

Birgit Dierks: Gremien sind ja Gruppen, die im Rahmen einer Organisation oder eines Auftrags für eine bestimmte Aufgabe zusammenkommen und Beschlüsse fassen, die noch einmal über sie hinausgehen. Und die Frage ist: Aus welchem Geist heraus werden diese Beschlüsse gefasst? Wie ist das Miteinander in der Gruppe? Gremienspiritualität bedeutet für mich, dass es nicht so sehr um eine individuelle Spiritualität geht, sondern dass man gemeinsam sich in eine bestimmte Haltung begibt. Es geht darum, sich zu öffnen und aufmerksam zu werden.

Das ist ja mitunter gar nicht so leicht, vor allem, wenn Leute aus unterschiedlichen Frömmigkeitsprägungen in einem Gremium zusammenkommen. Zumal es eigentlich darum geht, Dinge zu beratschlagen und Beschlüsse zu fassen.

Ja, die unterschiedlichen Formen von Spiritualität können am Anfang eine Hürde sein. Darauf gehen wir in der Toolbox auch ein. Ich halte es deshalb auch für sehr wichtig, dass man sich am Anfang in einem Gremium darüber verständigt: Was verstehe ich unter Spiritualität? Und auch: Was verstehe ich unter Intuition oder Bauchgefühl? Wir handeln ja im Alltag auch oft aus dem Bauch heraus, aus einem Gefühl, einer Intuition heraus. Ich möchte einladen, das als einen Hinweis vom Geist Gottes anzusehen.

Es ist also viel mehr als nur am Anfang den Losungstext vorzulesen und dann am Ende noch ein Segensgebet zu sprechen?

Ja, genau. Es geht darum, dass wir das Priestertum aller Glaubenden wirklich leben. Es muss nicht einer das für alle machen. Die Gremienspiritualität ist ein gemeinsames spirituelles Miteinander, die alle auf ihre Art und Weise beteiligt. Das heißt nicht, dass jeder einen Segen sprechen muss, aber dass es ein beteiligendes Miteinander ist.

Inwiefern beeinflusst ein gemeinsamer geistlicher Einstieg die Zusammenarbeit?

Es ist ja keine neue Erfindung, außer der Begriff Gremienspiritualität vielleicht. Es gibt zum Beispiel in Klöstern eine reichhaltige Tradition an gemeinsamen Entscheidungsprozessen. Indem es immer wieder darum geht, in der Gruppe keinen Konsens, aber einen Konsent herzustellen, beugt man auch Manipulation und Machtmissbrauch vor. Es müssen sich nicht alle einig sein, aber man sollte einmütig sein. Nach dem Motto: Ich bin vielleicht anderer Meinung, aber ich ziehe mit an einem Strang und ich werde mich nicht dagegenstellen. Die Kunst bei Gremienspiritualität ist, dass man die Kompetenz aller aktiv abfragt und miteinbezieht.

Dafür braucht es dann aber auch eine vertrauensvolle Atmosphäre, die man bestimmt methodisch auch fördern kann.

Wir haben in unserer Toolbox verschiedene Abschnitte, z.B. Gremienspiritualität als Thema entdecken, wie kommt man darüber ins Gespräch, als Team zusammenwachsen, usw. Je nachdem, was das Gremium jetzt gerade braucht oder ausprobieren möchte. Als eine Methode möchte ich das Gremien-Speed-Dating nennen. Dadurch kommt man zu Beginn eines neuen Gremiums oder auch mal zwischendurch kurz in Kontakt, tauscht schnell persönliche Informationen aus. So entsteht eine aufgelockerte Atmosphäre, man kommt sich nah. Das ist unwahrscheinlich hilfreich; man hat miteinander gesprochen, den anderen als Menschen wahrgenommen, auch wenn man vielleicht eine andere Meinung hat. Diese und andere Methoden brauchen natürlich Zeit, aber meiner Meinung nach, spart man sich, wenn man in diese Methodik investiert, hinterher sehr viel Zeit, weil man nicht so viel in Konflikte investiert. Nicht, dass Konflikte schlecht wären, aber es verringert auch die Zahl der unnötigen Konflikte.


Toolbox Gremienspiritualität

Die Toolbox will Menschen in Gremien von Kirche und Diakonie inspirieren und dabei helfen, sich gemeinsam als geistlich leitend zu verstehen.

Sie beinhaltet 30 Karten im Din A 5-Format, mit Ideen und Methoden zur Auflockerung und zum Ausprobieren sowie ein Booklet mit einer Einführung in das Thema, Literaturhinweisen und Arbeitshilfen.

Sie ist einer Vorlage von Andreas Kusch, „Entscheiden im Hören auf Gott“, entnommen, in der er ebenfalls Methoden für eine spirituell konnotierte Gremienarbeit beschreibt. Die Toolbox ist die Weiterentwicklung des Buchs und dank ihrer Aufbereitung, ihres Formats sowie der Möglichkeit zum Download in nahezu allen Gremienkonstellationen einsetzbar.

Die Toolbox Gremienspiritualität wurde von den Mitarbeiter:innen von mi-di entwickelt und ist dort im Shop für 15€ erhältlich.

Hella Thorn

Online- und Social-Media-Redakteurin beim Fresh X-Netzwerk