Anfangen. Ankommen. Hören.

06. April

Wie fängt man eigentlich an? Also dann, wenn eigentlich noch gar nichts da ist. Nur eine, die den Auftrag spürt. Anzufangen. Oder auch dann, wenn schon ganz viel da war, sieben Jahre beymeisterei zum Beispiel. Oder eine Gemeinde, die es gefühlt schon immer gibt. Gefüllt mit Menschen und Orten und Beziehungen und Segen. Und immer genug zu tun. Aber da gibt’s diesen Ruf. Den Auftrag. Rauszugehen. In den Aufbruch. Ins Hören.

Anfangen im Angekommensein

Damit beginnt die Journey. Hören. Auf die Geistkraft. Auf die Geschichten, die die Orte erzählen, die wir entdecken. Auf die Menschen, die uns begegnen. Was brauchen sie? Und wie können wir ihnen dienen?

Seit drei Monaten erproben die beymeister genau das. Fangen von vorne an. Beim Hören. Und ich hab mich gefragt, wie das geht. Denn ich bin ja schon längst da. Angekommen. Und kenn auch schon das meiste. Die schönsten Plätze im Veedel, die Geschichten vom Kioskmann, der Blumenfrau und von so vielen Menschen, die hier leben. All denen höre ich schon seit zwei Jahren zu. Wohin also noch hören? An einem Ort, über den ich selbst schon so viel erzählen kann.

Sitzen und segnen

Seit einem Monat streife ich durch’s Veedel und suche. Nach Orten, deren Geschichte ich noch nicht kenne. Und entdecke mehr als ich glauben kann. Und dann sitz ich da, eine Woche lang. Und höre. Manchmal morgens vor acht, wenn die Menschen in den Tag aufbrechen. Manchmal abends im Dunkeln, wenn schon kaum mehr jemand unterwegs ist. Und immer frage ich mich, woher sie kommen und wohin sie gehen und welchen Gedanken sie vielleicht gerade denken. Und was ihnen das Leben gerade leicht macht und was besonders schwer. Und am Ende der Woche segne ich den Ort und die Menschen, die mir begegnet sind. Indem ich nicht nur auf die Welt, sondern auch auf Gott höre. Teile, was ich erlebt habe. Und versuche zu hören, was mein Auftrag in all dem ist.

Das klingt fromm. Ist es auch. Und anstrengend. Weil es so anders ist als alles was wir sonst tun. Weil wir eigentlich immer etwas mitbringen. Ein paar Blumen, eine Tagesordnung, zumindest die Losungen. Aber Hören heißt, mit leeren Händen kommen. Erstmal nehmen statt geben. Nicht einladen, sondern fremd sein, an Orten die nicht unsere sind. Und spüren: Gott ist schon da. Sie hat mich mit diesem Ort verbunden.

Ein Anfang

Ich habe jetzt ein neues Lieblingscafé. Einen Ort zum Skaten entdeckt. Und ein Gartenprojekt, wo ich am liebsten mitmachen würde. Ich höre jetzt eine leise Stimme, die mir sagt: Das ist erst der Anfang.

Hören. Mit leeren Händen. Nichts mitbringen, nur da sein. Damit fängt es an.

Janneke Botta

Pfarrerin