Astronautentraining gegen Coronablues

26. August

Derzeit sind zehn Menschen im Weltraum. Auf http://wievielemenschensindgeradeimweltraum.de/ kann man das nachlesen. Dazu gibt es Fotos der Astronaut:innen mit der jeweiligen Tagesangabe, wie lange sie sich jeweils schon im All aufhalten. Auf die Seite bin ich Anfang des Jahres gestoßen, als wir uns alle noch im Lockdown befanden. Ein Kollege hatte eine Internetadresse mit einer Auflistung von Apps, Tools und hilfreichen Homepages geschickt. Darunter befand sich auch die englischsprachige Version dieser Seite: https://www.howmanypeopleareinspacerightnow.com/ Ich bin neugierig geworden und habe ein bisschen über diese Menschen im All nachgedacht.

Die sind ja gewissermaßen auch in einer Art Quarantäne. Sie sind eingeschlossen auf paar wenige m², können nur über Handy mit ihrer Familie kommunizieren. Müssen immer einen Helm aufziehen, wenn sie rausgehen … aber sie sind cool, denn sie sind Astronauten.

Am Vortag vor meiner Entdeckung hatte ich ein Gespräch mit einer jungen Mutter, die mir erzählte, dass ihnen ein Highlights im Alltag fehlten. Ein paar Stunden nach diesem Gespräch stellte unser Jugendpfarrer die Frage: „Wie kann man Familien jetzt unterstützen?“

Nun saß ich also da, mit meinen Gedanken über die Astronauten in Weltraumquarantäne, die beiden Gespräche im Hinterkopf und plötzlich verband sich alles zu einer wundervollen Lösung: ein Astronautentraining als Actionbound für die ganze Familie in den Faschingsferien; ein Ausflug in ferne Welten, mitten im Lockdown.

Ich erzählte dem Pfarrer davon und wir überlegten, als eine Station die Kids über den Pfahllauf eines Spielplatzes zu schicken und die Frage, ob man Gott im Weltraum finden kann, musste natürlich auch vorkommen. Da es allerdings nur noch 14 Tage bis zu Beginn der Ferien waren, brauchten wir Unterstützung, damit die Umsetzung noch rechtzeitig klappte. Wir fragten zwei ehrenamtliche Mitarbeiter: einen, der für die App zuständig ist und einen, der liebend gerne kleine Videos dreht. Beide sagten noch am selben Tag zu.

Abends hatte ich dann irgendwie das Bedürfnis, meiner Mutter von diesem Plan zu erzählen. Ich rief sie an, erzählte und sie sagte, dass sie diese Aktion an eine Geschichte erinnerte, die sie vor kurzem meiner Nichte und meinem Neffen vorgelesen hatten. Mein Vater fotografierte mir diese Geschichte ab und sie passte hervorragend zu unserem Plan. Sogar die Frage nach Gott tauchte darin auf, der allerdings nicht im Weltall, sondern im Herzen wohnt, wie der Vater in der Geschichte seiner Tochter erklärt.

Für mich war mit diesem Puzzlestück endgültig klar, dass es nicht einfach nur eine witzige Idee war, die wir uns ausgedacht hatten, sondern dass Gott das Ganze liebevoll vorbereitet hatte. Er hatte mal wieder eine goldene Spur gelegt.

Die Umsetzung klappte hervorragend. Die beiden ältesten Töchter des Pfarrers waren die Hauptdarstellerinnen der Geschichte, die wir noch ein bisschen auf unsere Situation angepasst hatten, und sie machten ihre Sache super. Von einem Schreiner bekamen wir eine Spanplatte, aus der ein Astronaut mit Guckloch wurde – für das Erinnerungsfoto im All. Quetschies wurden zu Astronautennahrung, die wir im Laufe der Woche mehrfach nachfüllen mussten. Unser Filmexperte war mal ein Außerirdischer und mal ein Astronaut auf der Suche nach Gott, denen die beiden Mädchen im All begegneten. In unserer Kirche bauten wir ein begehbares Universum mit Leuchtsternen und Leuchtplaneten in einem schwarzen Faltschrank auf.

Unsere Geschichte endete damit, dass die ältere der beiden Mädchen sagt: „Wir haben gezeigt, dass wir im Weltraum bestehen können. Aber wenn wir im Weltraum sein können, dann schaffen wir daheim auch den Lockdown. Vor allem, weil Gott in unseren Herzen wohnt.“

Etwa 70 Kinder absolvierten das Astronautentraining, auch Familien, die sonst nicht in unserer Gemeinde auftauchen und wir bekamen einige begeisterte Rückmeldungen.

Was das Ganze mit Fresh X zu tun hat? Die Ausgangsfrage: „Wie können wir Familien in dieser Zeit unterstützen?“ als Haltung und das Suchen und Finden der Spur dessen, was Gott schon vorbereitet hat, damit wir uns daran beteiligen und es für Viele zum Segen wird. Und diese Haltung funktioniert auch dann, wenn man sich nicht gerade im Lockdown befindet. Genauso, wie auch ein Actionbound gerade jetzt in der Sommerzeit auch wieder eine gute Möglichkeit ist, Familien eine schöne Abwechslung im Sommerloch zu bereiten.

Maria-Elaine Seeberger

Jugendreferentin in der Ev. Kirchengemeinde Großbottwar