Viel Kontext, kein Klartext

13. April

Ehrlich gesagt, ich habe es satt: Diese Forderungen nach Klartext. Immer dann, wenn ich in einer Social-Media Timeline lese: »Endlich Klartext!«, wische ich lieber weiter.

Denn spätestens die Monate dieser globalen Pandemie sollten deutlich gemacht haben, dass es so etwas wie Klartext nur zu einem Preis geben kann: Klartext vergisst, verdrängt und verschweigt andere Perspektiven. Und bloß weil ein Klartext die eigene Meinung oder Perspektive widerspiegelt, sollte man nie den Fehler machen, davon auszugehen, dass er alles abbildet.

Es ist ein gesellschaftliches wie kirchliches Phänomen, dass manches so ganz und gar nicht mehr klar ist. Um es mit einem aktuellen Beispiel zu beschreiben: Das, was in diesen Wochen Lehrer:innen helfen würde, ist nicht unbedingt das, was Schüler:innen gut tut oder das, was Eltern unterstützen könnte. Klartext kann hier keinem und keiner helfen.

Es kann aber immer sinnvoll sein, sich bewusst zu machen, dass es weniger auf den Klar-, aber viel mehr auf den Kon-Text ankommt.

Und genau so ist das auch mit dem Kirche sein und dem Kirche werden. Es kommt auf den Kontext an, wer Gemeinden leiten oder wann ein Gottesdienst stattfinden sollte. Wie Kirche aussieht und riecht, sich anhört und schmeckt. Was ihre Akteur:innen tun und was sie sein lassen sollten.

Mein Name ist Maria Herrmann und ich bin katholische Theologin. Ich arbeite für das Bistum Hildesheim und als Referentin für Strategische Innovation. Die Grundthese dabei ist, dass sich vor Ort und in ganz unterschiedlichen (noch nicht) kirchlichen Kontexten Innovatives zeigt – auch ohne unser Zutun aus dem Generalvikariat. Gott ist immer schon da, und überrascht und wirkt.

Und so glaube ich, dass es sie gibt und geben kann: Kirche, die dieser Bewegung Gottes zu seinen Menschen folgt. Und sich von ihrer Sendung und ganz konkret aus und in einem Kontext formen lässt.

Maria Herrmann

Referentin für Strategische Innovation in der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim