Wenn goldene Spuren im Sand verlaufen

30. Dezember

Bei meiner bisherigen Suche nach den goldenen Spuren Gottes achte ich auf besondere Umstände, die sich wie Puzzlestücke aneinanderfügen und ein großes Ganzes ergeben. Unerwartete Gespräche, eine Vorahnung, ein leises Wehen, manchmal ein unüberhörbares Klopfen …

Alles auf wundersame Weise zusammenpassend, wegweisend, zielführend. Zumindest meistens.

Denn da gibt es auch ein paar Spuren, die scheinbar im Sand verlaufen.  Wie diese Sache mit dem Café:

Schon lange ist es ein Traum von mir, irgendwann einmal ein Café zu eröffnen. Ich wollte so etwas wie ein Kleinkunstcafé mit Bühne für Livemusik und Platz für Ausstellungen von Künstlern. Einen Ort, der einlädt und inspiriert. Einen Ort, an dem man einfach sein darf und in Verbindung mit Jesus kommen kann, der liebt, heilt, freisetzt und das Leben in Fülle bietet. In unserer Stadt habe ich auch schon ein, wie ich finde, geeignetes Plätzchen dafür gefunden: ein Laden, der seit einiger Zeit leer steht und eine schöne Holzvertäfelung an der Wand hat.

Vor etwas über einem Jahr lief ich auf dem Weg zur Poststation mal wieder an dem Laden vorbei und träumte ein von meinem zukünftigen Café. Bei der Poststation traf ich unverhofft auf eine Bekannte, die gar nicht in unserer Stadt wohnt. Und die erzählte mir ganz begeistert von einem Café, das zwei Freundinnen von ihr gerade eröffnet hatten. Meine Antennen stellten sich sofort auf Empfang.

Beim Rückweg blieb ich nochmal vor dem Laden stehen und schaute genauer in die Schaufenster. Ein fremder Passant fragte mich, ob ich wohl einen Laden suche. Ich erwiderte, dass ich finde, ein Café wäre hier sehr nett. Der Passant versicherte mir, dass unsere Stadt dringend ein Café bräuchte und nannte mir gleich mehrere Personen, mit denen ich mich darüber unterhalten könnte. Mein Traum nahm Gestalt an.

Ein paar Tage später bekam ich unerwartet eine E-Mail von einem Bekannten, der mich wegen eines Artikels über Jugendliche etwas fragen wollte. In seiner E-Mail-Signatur sah ich, dass er die Stelle gewechselt hatte und nun für christliche Cafés zuständig ist. Ich schilderte ihm meinen Traum, er gab mir Adressen von Ansprechpartnern.

Wieder ein paar Tage später berichteten unsere Lokalnachrichten von dem Plan der Stadtverwaltung, das Angebot der Gastronomie in unserer Stadt zu erweitern. Jetzt war ich überzeugt, dass das eine goldene Spur ist und sprach mit meinem Chef darüber.

Der empfahl mir, mich erstmal noch auf die Suche nach vergleichbaren Cafés zu machen, um zu recherchieren, was dabei zu beachten ist und ob sich das in einer Stadt wie unserer tragen würde. Ich fand ein paar Cafés, aber ein Treffen kam wegen des damaligen Lockdowns nicht zustande.

So sprach ich mit einer Freundin, die für einen CVJM ein Café eröffnet hatte. Sie ist BWLerin und nahm mir gehörig Wind aus den Segeln. Es wurde klar, mit meinem jetzigen Dienstauftrag ist das nicht on top zu schaffen. Eine weitere Freundin erzählte mir, dass ihre Eltern sich für diesen Laden interessiert hatten und er einen Wasserschaden hatte. Jemand anders sagte mir, dass diese Räume für ein Café ungeeignet wären. Und dann kam der Alltag und der Traum vom Café wurde immer unrealistischer.

Was tun, wenn eine Spur so eine merkwürdige Wendung nimmt?

Mir hilft es, mich daran zu erinnern, dass ich mich eigentlich nur einklinken will bei dem, was Gott tut. Wenn es nicht nur mein, sondern sein Traum ist, wird er Wege aufzeigen und Türen öffnen. Ich habe schon öfters erlebt, dass er mir etwas gezeigt hat, was erst später relevant wurde. Und wenn es nicht das ist, was er tun will, ist es besser, keine Energie zu investieren. „Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ (Psalm 127,1) Das gilt auch für mein Café. Also lege ich diesen Traum und die Gegebenheiten zurück in Gottes Hände.

Wie der weise Gamaliel sagte: „Wenn das, sie vorhaben oder unternehmen, nur das Werk von Menschen ist, wird es von selbst zugrunde gehen. Aber wenn es Gottes Werk ist, könnt ihr nichts dagegen unternehmen.“ (Apg. 5,38+39)

Vor kurzem schickte mir eine Freundin einen Artikel. Das gesamte Haus mit diesem Laden steht jetzt zum Verkauf.

Ist das eine Fortsetzung der goldenen Spur? Oder ein liebevolles Augenzwinkern Gottes? Wir werden sehen.

Maria-Elaine Seeberger

Jugendreferentin in der Ev. Kirchengemeinde Großbottwar
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