Applaus, Applaus

26. November

Das geht runter wie Butter, wenn gesehen und gewürdigt wird, was man da grad wieder Gutes getan hat. Eine unterstützende Tat, ein freundliches Wort, eine liebevolle Geste. Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Wertschätzung. Blöd nur, wenn es niemand mitbekommt.

In einem kleinen Dorf in der Schweiz gibt es Abhilfe: Eine ungenutzte Telefonzelle wurde umgebaut und beinhaltet nun statt Tastentelefon einen Touchscreen gesteuerten Computer, in den man seine gute Tat eingeben kann. Entweder man wählt aus verschiedenen Vorlagen (Jemandem über die Straße geholfen, ein Kompliment gemacht) aus oder beschreibt selbst seine Glanzleistung. Und schwupps ertönt aus Lautsprechern Applaus und auf dem Screen erscheint ein Lob. Eine warme Dusche aus Applaus und Anerkennung.

Die Idee hatte Peter Weber, der Gemeindepräsident des kleinen Ortes Mettauertal im Kanton Aargau, der es schon immer wichtig fand, Leistungsträger:innen und Wohltäter:innen entsprechend zu würdigen. “Ich glaube, dass unsere Gesellschaft gut daran täte, einfach ein bisschen mehr auch mal zu sagen: ‘Hey, das hat du gut gemacht!’ Wir sind immer sehr schnell in der Kritik, dass man einfach offensichtlich lieber kritisiert als dass man lobt. Und ich finde schon ganz persönlich, dass das ein ganz wichtiges Thema ist für unsere Gesellschaft – vor allem jetzt auch in der Zeit, in der wir im Moment gerade stecken”, erklärte er in einem Bericht des ARD-Studios in Genf. Diese Medienanstalt ist nicht die einzige, die sich für Peter Weber und seinen Applaus-Automaten interessieren, vor allem deutsche Medien feierten den Gemeindepräsidenten für seine Idee aus dem Jahr 2019.

Das alles wäre nur eine kleine Randnotiz. Nicht weiter wichtig. Wenn man sich nicht gleichzeitig auch Gedanken darüber machen würde, wie man denn als Gesellschaft, als Kirche, als Leitende Lob, Anerkennung und Wertschätzung gegenüber Wegbegleiter:innen, Mitarbeitenden, Ideengeber:innen, Pionier:innen, anderen Leitenden oder Unterstützer:innen ausdrücken kann. Wie wird in unseren Kirchen, in Gemeinden und Communities gesagt: Hey, das hast du echt super gemacht? Wird eine Kultur geschaffen, in der man stolz auf gute Taten sein kann? Wird ein Raum gegeben, in dem offen kommuniziert, was man anderen anderen wertschätzt? Gucken wir eher auf die Erfolge oder auf die Niederlagen?

Hella Thorn

Online- und Social-Media-Redakteurin beim Fresh X-Netzwerk