Hoffnung in Gummistiefeln

09. August

Manchmal fehlen mir einfach die Worte. Angesichts aktueller Schlagzeilen wird manches banal und wirkt deplatziert oder unangemessen. In der letzten Woche fand ich eine Geschichte, die es jedoch lohnt, weitererzählt zu werden. Nicht, weil sie die Welt (wieder) heil macht. Auch nicht, weil man sie damit vergessen könnte. Sondern weil sie davon erzählt, wie Hoffnung etwas mit genau dieser Welt zu tun haben muss, in die Menschen gestellt sind. Wie sehr man für sie rackern muss. Weil sie Gummistiefel trägt und mit anpackt.

Dass kirchliche Gebäude, ihr Unterhalt, aber auch ihr Verkauf ein »Megatrend« der Kirchenentwicklung in den nächsten Jahre darstellen, ist unbestritten. Dies zeichnet sich auch jetzt schon in einigen Landeskirchen und Bistümern ab und das sind wirklich schmerzhafte Prozesse. Noch deutlicher wird dies in der Ordenslandschaft: Historische Klöster und prestigeträchtige Standorte werden von Ordensgemeinschaften aufgegeben schlicht und ergreifend, weil es für viele der immer älter werdenden Gemeinschaften keine anderen Wege gibt. Auch das sind Geschichten, die davon erzählen, dass sich »Kirche anders« ausdrücken muss. Anders heißt manchmal auch einfach nicht mehr wie gewohnt, nicht mehr wie hart erarbeitet und mühevoll erbaut.

Als die ersten Berichte von der katastrophalen Flut in den Gebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen online gingen, fiel in der Berichterstattung schnell auch der Ortsname Ahrweiler. Es ist zwar schräg, aber man wird in so einer Situation noch ein Stück aufmerksamer, wenn man mit Ortsnamen etwas verbindet. Und so auch bei mir: Ich wusste, dort gibt es ein Kloster. Und ich kannte Menschen, die mit ihm verbunden waren. Ich hatte aber auch gehört, dass das Kloster von der Ordensgemeinschaft aufgegeben wurde. Und dass auch dieser Prozess ein sehr schmerzhafter war für viele Menschen.

In der letzten Woche habe ich dann gelesen, dass in der Klosteranlage nun vieles entstehen soll, dass die Flutopfer von Ahrweiler und Umgebung unterstützen soll. Das Kloster ist von größeren Schäden verschont geblieben, stand lange leer und kann nun die so notwendige Infrastruktur bereitstellen, die jetzt viele brauchen.

Klar, man kann es seltsam finden, dass erst jetzt eine Form von »Relevanz« und »Sozialraumorientierung« stattfindet, die vielleicht das Kloster vor Jahren vor dem Verkauf gerettet hätte. Man kann nun traurig darüber sein, dass all das nicht im Auftrag und unter Leitung eines Ordens passiert. Oder auch, dass es ein sicherlich auch wirtschaftlicher handelnder Investor ist, der hier federführend ist.

Oder man kann den Zynismus herunterschlucken, einmal atmen und sich bewusst werden, dass dieser Ort nun möglicherweise – oder vielmehr hoffentlich – ein guter Ort ist, an dem die Menschen Hilfe und Unterstützung bekommen für die schwere Zeit, die nun folgt. Ein klösterlicher Ort, an dem für Menschen gesorgt wird. Auch wenn es bis dahin noch viel Arbeit in Gummistiefeln braucht.

Hier findest du mehr Informationen zu dem Projekt und auch, wie du mit Spenden helfen kannst. Die eingezahlten Beträge gehen direkt in die Fluthilfe ein. Und hier eine Meldung auf der Website der deutschen Ordenskonferenz. Vielleicht aber fällt dir noch etwas ganz anderes ein, um die Menschen auch in den nächsten Wochen und Monaten zu unterstützen. In jedem Fall können die Flutopfer, ihre Angehörige, alle Helfenden und politisch Engagierten sicherlich dein und unser Gebet gebrauchen. Vielleicht magst du also in den nächsten Wochen und Monaten (weiter) an sie denken. 🕯

Maria Herrmann

Referentin für Strategische Innovation in der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim