Unterschätzte Positionen

10. Mai

Ich halte Hausmeister für die unterschätzteste Position in Kirchen und Gemeindehäusern. Ohne Hausmeister geht nix. Du kommst nirgends rein, findest nichts und wenn er oder sie dir nicht wohlgesonnen ist, wird’s immer schwer sein, auch nur irgendetwas an den Start zu bekommen. Kurz um: Ein guter Hausmeister ist GOLD wert!

Wir haben einen grandiosen Hausmeister. Nicht nur kümmert er sich, hält das Gemeindehaus in Ordnung und ist äußerst flexibel. Er hat obendrein auch noch die ausdauernde Geduld eines Steins. Ungefähr nichts kann ihn aus der Fassung bringen. Selbst aus dem Fenster springende Teenager nicht. (Es ist niemandem was passiert.)

Was ihn jedoch wirklich aus der Fassung gebracht hat, ist der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Unser Hausmeister kommt aus Russland. Er lebt schon lange in Deutschland, aber die Wurzeln seiner Familie sind sowohl in Russland als auch in der Ukraine noch immer verhaftet. Er steht sozusagen sprichwörtlich zwischen den Fronten.

Was hat das alles in einer Kolumne über Jugendarbeit zu suchen? Ganz einfach: Bei Jugendarbeit, vor allem im kirchlichen Raum, geht es um Beziehung. Und jede gegenseitige Beziehung startet mit Vertrauen. Unser Hausmeister hat sich mir anvertraut: seine Ängste, wie es seinen Verwandten geht, dass er es satt hat, immer zwischen die Fronten gezogen zu werden, ständig gefragt zu werden, zu wem er denn jetzt steht!? Der Ukraine oder Putins Russland? „Daniel, ich gehöre hierher, nach Deutschland.“ So wie unserem Hausmeister geht es momentan sicher vielen Menschen.

Es braucht vor allem in Kirche Menschen, die bereit sind, sich auf die Spannungen, mit denen Menschen umgehen müssen, einzulassen. Dazu braucht es Committment. Konstante Anwesenheit und Präsenz. Nur so kann Vertrauen und gegenseitige Beziehung überhaupt erst entstehen.

Jugendarbeit braucht niemanden, der sich in den Vordergrund drängt. Nicht der oder die Lauteste kommt am weitesten. Oft sind es unterschätzte Persönlichkeiten, vielleicht auch stille oder leise Personen, die im Leben der Jugendlichen einen Unterschied machen. Jugendarbeit braucht:

  • Menschen, die verlässlich da sind!
  • Menschen, die langfristig da sind. Beziehungen brauchen Zeit, manchmal Monate oder Jahre.
  • Menschen, die Spannungen aushalten.

Daniel Faißt