Wenn Perspektiven sich verändern

15. März

Mir ist ehrlicherweise nicht danach, in diesen Tagen über Jugendarbeit zu schreiben. Krieg in Europa. Alleine das mal denken, geschweige denn sagen oder schreiben zu müssen ist, zumindest für meine Generation (ich bin 1988 geboren), nicht so recht vorstell- oder fassbar. Deshalb wird diese Kolumne mit einem Segen beendet, der mir in dieser Zeit meiner „Durcheinandergedanken“ geholfen hat, der mir Ruhemomente gab und gibt. Es gibt trotzdem einen Gedanken zur Jugendarbeit, zu dem, was wirklich zählt, nicht nur dieser Tage.

Es ist Donnerstag. Jungschar, aber eigentlich ist es ein Teenkreis. Wir nennen es nur Jungschar, weil es als solche mal angefangen hat. Circa zehn Jungs trafen sich um zu spielen, Spaß zu haben und manchmal wollten sie auch etwas von Jesus hören. Selten, aber manchmal. Erzählt haben wir ihnen immer, meistens mit persönlicher Note: Was wir mit diesem Jesus erlebt haben, von uns und aus unserem Leben. Aus zehn Jungs wurden über die letzten drei Jahre zwei. Noch zwei sind geblieben, inzwischen keine Jungscharler mehr, sondern Teenager. Andere Lebenswelt, andere Themen, andere Fragen.

Klar, wir hätten etwas Neues gründen können. Wieder eine Jungschar. Warum jeden Donnerstag zwei Mitarbeitende für zwei Teenager abstellen?

Nun: Weil uns die Zahl egal ist. Weil uns diese zwei so wertvoll sind. Weil Jugendarbeit nicht mehr Teilnehmende, sondern mehr Beziehung und mehr Vertrauen braucht. Vertrauen in die Zukunft.


Der Segen von Jan Richardson (übersetzt von Maria Herrmann) schenkt auch dir hoffentlich in dieser Zeit einen Ruhemoment.

Ein Segen im Chaos

Alles, was chaotisch ist in dir,

möge Ruhe finden.

Alles, was in dir tobt,

möge in Stille ankommen.

Die Stimmen mögen verstummen,

die dich so sehr in Anspruch nehmen,

und das Zerren mag ein Ende finden,

das sich in dir breit gemacht hat.

Das Ringen, das mit dir geht,

sogar bis an die heiligen Orte.

Die Fragen, die dich nicht schlafen lassen,

und die verhindern,

dass du dein Leben

als Ganzes wahrnimmst.

Alles, was dich davon abhält,

in der Gnade aufzugehen,

in der du gemacht bist.

Lass los, was dich ablenkt.

Lass los, was dich spaltet.

Lass all das ein Ende haben,

was dich klein macht,

was doch erniedrigt.

Lass gehen,

all das,

was dich gefangen hält.

Aber lass einen Spalt offen

für die Stille,

die hinter dem Chaos liegt.

Den kleinen Moment, in dem

du Frieden findest.

Die Ruhe, an die du nicht mehr geglaubt hast.

Und halte Ausschau nach dem,

was ganz unten im Sturm glitzert.

Jan Richardson, frei übersetzt von Maria Herrmann

Daniel Faißt