Liebesgeschichten am Lagerfeuer

25. Oktober

Seit jeher versammeln sich die Menschen am Feuer. Sitzen gemeinsam in der Dunkelheit, die durch die hellen Farben der Flammen durchbrochen wird. Sehen den Flammen beim Tanzen zu. Lauschen dem Knacken des Holzes. Spüren die Wärme, die von dem Feuer ausgeht. Teilen Geschichten, Ängste, Zeit.

Oft dient ein Lagerfeuer in der Erlebnispädagogik als Element der Naturerfahrung. Man geht gemeinsam in den Wald, sammelt Holz, schichtet es auf und entzündet das wärmende und Licht spendende Feuer. Man sitzt drumherum, das Gesicht den Flammen zugewandt, wartet vielleicht darauf, dass der Stockbrotteig durch ist, die Marshmallows leicht gebräunt oder das Würstchen gar ist. Meist holt irgendjemand eine Gitarre hervor und selbst die größten Sing-Muffel fangen bei bestimmten Evergreens an mitzubrummen. Kennlernspiele am Lagerfeuer bilden bei Freizeiten und Camps den Auftakt für verschiedene gemeinschaftsbildende Maßnahmen. Sportvereine, Wanderclubs, Pfadfinder, Erlebnisgasthöfe, christliche Gruppen – Menschen jeglicher Herkunft treffen sich zum gemeinschaftlichen Zelebrieren von Gesang und Genuss am Lagerfeuer.

Oster-, Martins- und Weihnachtsfeuer ziehen Jahr für Jahr viele Menschen an, die staunend und andächtig um das Feuer herum stehen, die Naturgewalt erfahren und sich für die Erzählungen zur Bedeutung des Feuers zu diesem Fest öffnen. Es scheint, als brächte das Feuer die Menschen dazu, den Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit Gehör zu schenken und die Bedeutung für den eigenen Alltag zu suchen. Als würde das Feuer das Herz der Menschen weich machen wie Kerzenwachs. Und gerade in der kalten, der dunklen Jahreszeit spendet ein Feuer und die Gemeinschaft am Feuer Wärme, Licht, Hoffnung.

Glaube und Gemeinschaft am Lagerfeuer

Erstaunlich eigentlich, dass wir Christen nicht viel mehr Veranstaltungen, Gottesdienste und Formate am Feuer abhalten und uns stattdessen hinter dicken Kirchenmauern verschanzen. Wo kann man besser über die tiefgreifenden Fragen, verändernden Geschichten und herausfordernden Begegnungen des Lebens miteinander ins Gespräch kommen? Wo lässt es sich besser über das Licht des Lebens reden als an einem Lagerfeuer?

So sieht es auch das Team des Vereins polylux e.V., die seit Jahren in der Neubrandenburger Plattenbausiedlung Datzeberg Lagerfeuerabende veranstalten. Bei einem Bier oder einer Limo kommen sie so über die Geschichte Gottes mit den Menschen ins Gespräch. Aber nicht einfach nur so. Zu Beginn eines jeden Lagerfeuerabends steht das Rudelgucken eines Clips “Die Geschichte” an. Ein Bibel-Projekt des Vereins. In aufwändiger Kleinarbeit werden Geschichten aus der Bibel mit den Bewohner:innen des Datzebergs nachgespielt, gefilmt und anschließend als kurze Videoclips geschnitten. Das Projekt “Die Geschichte” möchte dabei die große Story Gottes mit den oft als so klein angesehenen Menschen des Viertels verbinden. Möchte Leute mit Gott konfrontieren, die noch nie von ihm gehört, geschweige denn über ihn gesprochen haben. So soll die Geschichte Gottes mit den Menschen erfahr- und erlebbar werden. Anschließend kommt man ganz unverkrampft miteinander ins Gespräch. “Es ist geil zu sehen, was da in den Menschen passiert, während sie das Filmchen gucken. Welche Fragen in ihnen hochkommen. Da entstehen richtig gute Gespräche”, erinnert sich Jonte Schlagner an seine Zeit bei den Lagerfeuerabenden.

Insgesamt fünfzehn Episoden aus der Bibel wurden in drei Staffeln seit 2017 aufgenommen. Von der Schöpfung bis zum Einzug ins Land Kanaan. Manche Bewohner des Datzebergs haben in allen drei Staffeln mitgewirkt, andere haben sich nur punktuell beteiligt. Den Initiatoren war es dabei wichtig, die Geschichten der Bibel nicht umzuschreiben oder direkt auf den Alltag zu übertragen, sondern so wirken zu lassen, wie sie sind. Als historische Erzählpfeiler einer großen Liebesgeschichte.

Hella Thorn

Online- und Social-Media-Redakteurin beim Fresh X-Netzwerk