Unterwegs zu Hause

14. April

Da ist der Wunsch nach Sesshaftigkeit. Nach einem Zuhause. Nach einem safe place to be. Und gleichzeitig ist da auch der Wunsch nach Aufbruch, nach Veränderung, nach Neuland, nach Abenteuern. Beides lässt sich nicht vereinen – oder doch? Göran Schmidt probiert es. Mobil und doch verwurzelt. Im Aufbruch und Ankommen. Im Tiny House zu Hause – und unterwegs.

Am liebsten ist er draußen zu Hause. Unterwegs. Nah bei den Menschen. Eng verbunden mit der Schöpfung Gottes. Auf dem Kajak. Im Baumhaus. Unterwegs im #ZuhauseBus. Oder eben jetzt in seinem Tiny House.

Erwachen und Erweckung

Passend zum Frühling, zum Wiedererwachen in der Natur, zur Auferstehung Jesu, möchte sich auch Göran Schmidt, Diakon und Erlebnispädagoge in der badischen Landeskirche neu aufmachen. Ein Aufbruch, durch den er ein neues Kapitel in seinem Leben aufschlagen will, ein Aufbruch, um Heimat zu finden, ein Aufbruch, um anzukommen.

In den letzten Jahren ist Göran viel mit seinem knallroten Bulli unterwegs gewesen. Stück für Stück hat er ihn von einem Mehrsitzer in einen Campingvan und schließlich in ein kleines, rollendes Zuhause verwandelt. Mit Gardinen und Tiny Kamin.

Göran und sein #ZuHauseBus. Immer dabei, wo etwas los ist.

Doch nun beginnt für den gebürtigen Sachsen etwas Neues. Es zieht ihn, wie schon so oft, raus, zu den Menschen. In die Natur. In die Stille. Und gleichzeitig ins Leben. Ins Neue. In den Aufbruch. Im Odenwald möchte er Teil einer Gemeindegründung sein. Mitten im Wald wird eine Kapelle gebaut, es werden Ziegen, Schafe und Enten gehalten. „Seit fünf Jahren pendle ich aus Karlsruhe hierhin, was mich fast zwei Stunden kostet, jede Woche. Das war lange Zeit gut so, aber wegen verschiedenen Veränderungen in meinem Leben ist die Möglichkeit entstanden, mich noch enger mit meiner Wilden Kirche zu committen. Hier möchte ich eintauchen. In den Kontext des Odenwalds“, erzählt er begeistert. An diesem Ort, in dieser Region, dem „badischen Sibirien“, die nicht von der badischen Erweckung erfasst wurde, wollen Gören und seine Kompliz:innen Salz und Licht sein.

Zu Hause im Aufbruch

Eineinhalb Jahre hat es gedauert, diesen Schritt zu gehen, das Tiny House bauen zu lassen. Die erste Idee liegt sogar noch länger zurück. Aber so hat „alles langsam wachsen, reifen und fest werden können in meinem Herzen.“ Mit diesem gefestigten und von Gott gestärktem Herzen hat Göran nun zum 13. Mal in seinem Leben Zelte abgebrochen, Neues aufgebaut, ist dem Ruf Gottes nach Abenteuern, nach Veränderung gefolgt. So mutig, unerschrocken und abenteuerlich, wie Göran wirkt, ist er aber nicht in allen Momenten. Wie auch Jele Mailänder in ihrem Buch beschreibt, kennt Göran die Momente voller Einsamkeit, Zweifel, Fragen, Sehnsüchten und dem Wunsch nach Aufgabe. Genau wie alle anderen Pionier:innen braucht(e) auch Göran viel Ermutigung von Gott. Viele Gespräche, Impulse, Zusprüche, Gebete, tröstende Worte. Und natürlich war es auch für ihn schwer, Dinge loszulassen, sich zu minimalisieren, Zelte abzubrechen, sich bewusst von Menschen und Dingen zu trennen. Aufzuräumen im Herzen, im Kopf, im Haus, im Leben. Nur, um auch im Loslassen Platz für „Wertvolles und Zauberhaftes“, das Gott schenken wird. „Für neues Leben. Für neue Geschichten. Für neues Wunderbares.“ Für neue Verbündete. Für neue Abenteuer. Für neue Gottbegegnungen. Für ein Niederlassen im Unterwegs sein.

Anfang April zog Görans Tiny House aus der Werkhalle in den Odenwald.
Am Ostersamstag ist Einzug.

Der #ZuHauseBus wird Göran daneben auch noch weiter erhalten bleiben. Vor allem im Sommer. Wenn er bei der Campingkirche, bei den Baumhauscamps, bei Beratungs- und Coachinggesprächen, bei Kanutouren und Bergabenteuern unterwegs ist, wird das knallrote Gefährt ihn auch weiterhin begleiten; wird vielleicht mehr vom #ZuHauseBus zum #AbenteuerBus. „Mehr als das Tiny House ist der #ZuHauseBus mein ‚zu Hause im Unterwegssein im Reich Gottes‘, mein Zelt im Aufbruch, eine Hütte Gottes bei den Menschen.“

Unterwegs zu den Menschen, gesettled in Jesus

Durch diesen persönlichen Lebensentwurf unterstreicht Göran Schmidt gleichzeitig aber auch seinen Arbeitsauftrag innerhalb der badischen Landeskirche. Dort ist er nämlich als Fresh X-Berater angestellt, sucht mit anderen zusammen beständig nach neuen Formen, Menschen zu begegnen und Kirche zu bauen. „Neue und frische Formen von Kirche, die kontextuell, misisonal, jesuszentriert und lebensverändernd sind, fangen immer mit konkreten Menschen an. Und so einer möchte ich auch sein“, erklärt Göran. „Mein Eintauchen in diese Bewegung Gottes zu den Menschen im Wald ist ein Ja zu dieser Form von Fresh X. Sie verändert mein Leben. Sie zentriert mein Leben neu auf Christus. Sie verwurzelt mich in den Kontext, dem ich dienen will und sie bringt mich mit Haut und Haaren in die Lebenswelt, in der wir Kirche sein wollen.“ Göran möchte mit seinem Leben, beruflich wie privat. Veränderungen, möchte beweglich bleiben, nicht umsonst heißt einer seiner liebsten Hashtags #movingforward.

Tiny-Living-Lebensgemeinschaft

Und auch, wenn jetzt erst mal alles auf Ankommen, Einrichten und Verwurzeln ausgerichtet ist, Göran sich darauf freut, sein Hochbeet zu bepflanzen und auf der Terrasse seines Tiny Houses mit einem heißen Kaffee in der Hand den Sonnenaufgang zu bewundern, gedanklich steht auch schon die nächste Bewegung, die nächste Sehnsucht an: „Die Herzenssehnsucht nach einer Tiny-Living-Lebensgemeinschaft. In einem Tiny Village, das Christus und den Menschen dient. Das Schöpfungsliebe und Menschenliebe und die Liebe zur Kirche zusammendenkt. Eine Kommunität, in der Nachhaltigkeit und Nachfolge, Selbst-, Nächsten- und Schöpfungsliebe, Retterglaube und Weltversöhnung gelebt werden. Von hier gehen Impulse aus in die Welt der CVJMs und Gemeinden. Aber das ist noch ein Traum in meinem Herzen. Dazu braucht es ein Grundstück und Leute, die sich, in Tiny Häusern lebend comitten, mit dieser Idee. Mal schauen, was das gibt.“ 

Hella Thorn

Online- und Social-Media-Redakteurin beim Fresh X-Netzwerk