Strategiekongress: Auflösen für Neues

14. Dezember

Rolf Krüger hat in seinem ausführlichen Nachbericht die positiven und die aus seiner Sicht negativen Seiten des 7. Strategiekongresses, der vom 7.-8.12. in Bensburg stattfand, zusammengefasst. Seiner Einschätzung nach beschäftigte man sich dort wenig mit einer (in die Zukunft gerichteten) Strategie, sondern viel mehr mit dem Loslassen der Kirche, wie man sie kennt. Der Kongress, der unter dem Stichwort “Auflösen” stand thematisierte vor allem wohl die Vergangenheit des kirchlichen Systems und die Gegenwart, ohne dabei zu sehr auf aktuelle Strömungen und Probleme einzugehen.

Laut Rolf Krüger löste der Kongress, der immerhin ein innovatives Format probierte und etablierte, eine “motivatorische Vollbremsung” bei den Teilnehmenden aus. Grade im Hinblick auf die Dinge, die es anzupacken und zu verändern gilt, ein schlechtes Signal. In Gesprächen außerhalb des Plenums sorgte bei ihm vor allem der Gedanke, dass die Kirche nicht aussterbe, aber umziehe und deshalb freudig, engagierte Umzugshelfer benötige, für einen Aha-Moment und für ein am Ende doch noch versöhnliches Fazit.

Die Kollegen von Jesus.de haben ein sehr lesenswertes (!) Interview mit zwei Organisatoren des Kongresses geführt. Valentin Dessoy und Birgit Dierks, auch Teil des Fresh X e.V.-Teams (wie auch Rolf Krüger) kommen zu einem ganz anderen Fazit. Ihrer Meinung nach lohne es sich nicht mehr darüber zu reden, wie man das System als solches retten oder umstrukturieren könne. Das System Kirche, wie wir es kennen, sei am Ende, der Kipppunkt erreicht. Es werde aber, da ist sich sowohl Birgit Dierks als auch ihr Gesprächspartner, der Theologe Valentin Dessoy, sicher, neue Formen geben. Leute, die ihren Glauben in Gemeinschaft und im Dienst am anderen leben wollen, werden das auch weiterhin tun und dafür Wege und Möglichkeiten – auch der Finanzierung – finden. Das geschehe bereits jetzt, wie zahlreiche Fresh X-Initiativen und Pionierprojekte zeigen.

Auch in den sozialen Medien gab es bereits Feedback zu dem Artikel von Rolf Krüger vom Montag. Eine Followerin erlebte den Kongress als durchaus erhellend und bereichernd fand. Ihr machte eher das Format Sorgen als der vermeintliche Untergang der Kirche. Veränderungen im System seien möglich, die individuellen (strukturellen) Handlungsspielräume könnten erweitert werden. Aber auch sie nahm war, wie viele Menschen mit den Strukturen hadern, an ihnen kranken und wenig hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Auf jeden Fall ist es spannend, so viele unterschiedliche Einschätzungen und Erfahrungen zu dem 7. Strategiekongress zu hören und respektvoll miteinander in einen Austausch zu gehen. Egal, ob Kirche sich nun in fünf, zehn oder zwanzig Jahren auflöst (oder auch gar nicht) – miteinander in den Dialog zu gehen und über die Kirchenmauern hinaus vom Gespräch ins Handeln zu kommen, hat der Kongress allemal bewirkt oder wenigstens befeuert. Und genau das ist es doch, was wir uns alle wünschen und ersehnen. Vom Hören ins Denken und dann ins Handeln zu kommen. Voll Hoffnung und Zuversicht.

Hella Thorn

Online- und Social-Media-Redakteurin beim Fresh X-Netzwerk